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Der etwas subjektivere - nicht ganz ernst gemeinte - Rückblick

Winterzauber im Stiftland. Eine filigrane, glitzernde Schneeschicht liegt über den sanften Hügeln und vor allem den zahlreichen Sportplätzen der Region. Wo sonst Spitzenfussball in allen Klassen zelebriert wird überlagert ein Winteridyll die Sportstätten. Egal ob Mitterteich, Waldsassen, Griesbach oder Plößberg, an Ball- und Gegenspielertreten ist nicht zu denken. Der harte Oberpälzer Winter packt diesmal schon Ende Oktober kräftig zu und hätte viele Fachkundige, Fussballwaisen oder auch "einfache" Zuschauer beinahe um die allsonntägliche Expertenrunde in einem der regionalen Sporttempel gebracht. Aber Rettung naht. Der anscheinend härteste Verein des Stiftlandes, dem weder Winterwinde, noch monsunartige Regenschauer etwas anhaben können, hält auch an solch schweren Tagen die Fahne der niveauvollen Unterhaltung für ein interessiertes Publikum hoch.

Die Rede ist natürlich vom phänomenalen Branchenprimus der Kreisliga, dem FC Tirschenreuth. Die Crew rund um die handwerkliche Allzweckwaffe, sozusagen die gute Seele, oder besser, die unermüdliche, manchmal angsteinflößende Seele des Vereins, Karl S. hat ganze Arbeit geleistet. So stand dem Rückrundenauftakt auf komprimierten Naturboden nichts im Wege. Und weil der Partie gegen den SC Mähring eine besondere Brisanz innewohnt, oder vielleicht weil im Umkreis von 50 Kilometern auf zivilisiertem Gebiet kein anderes Fussballspiel mit dem man den inhaltslosen Sonntagnachmittag sinnstiftend füllen kann, stattfindet, strömten die Zuschauer in die Ausweicharena. Besonders auffällig war der niveauvolle Mob, der sich hinter der improvisierten Gästebank zu einem vielstimmigen Knäuel von angriffslustigen Schlachtenbummlern zusammenfand. Im Hinspiel hatten die Hooligans von den schroffen Grenzhügeln die filigranen, sensiblen Klassekicker aus der Kreisstadt dermaßen aus dem Konzept gebracht, dass der komplette komplexe Matchplan von Chefstrategen Jürgen S. ordentlich in die Hose ging. Seit dem ersten Spieltag hat sich einiges getan. Der FCT hat sich immer mehr zum FCB der Kreisliga entwickelt. Parallelen sind schwerlich zu übersehen: souveräner Spitzenreiter, eine beeindruckene Siegesserie, kaum ernsthafte Konkurrenz in der eigenen Liga. Nach dem Ausrutscher an jenem dunklen Tag, damals an der deutsch-tschechischen Grenze hatten die Verantwortlichen an der Mähringer Straße trotzig reagiert: "Auf unserem Platz werden wir sie abschießen", so oder so ähnlich klangen die Kampfansagen. Man wollte nicht wieder als geprügelte Hunde vom Platz schleichen.

Genug der seichten Vorrede, auf ins Kampfgeschehen. Der FC in Bestbesetzung, das exklusive Live-Spiel im Stiftland konnte steigen. Und Action: Der FC sofort drin im Spiel, keine zwei Minuten gespielt, schon rappelts das erste Mal im Mähringer Kasten. Kampfgnom Thomas W. setzt sich herrlich auf dem Flügel durch und schaufelt den Ball punktgenau auf den Fuß von Edeltechnicker Marek K. der keine Mühe hat den Ball am extravgant agierenden Gästekeeper vorbeizudrücken. Dann mogelte der Dreh- und Angelpunkt der FC-Offensive Christoph B. die Kugel gekonnt ins Tor. Also mal wieder, wie sooft ein beruhigender Zwei-Tore Vorsprung.

Doch täglich grüßt das Murmeltier, oder wöchentlich klopft der Schlendrian. Man kennt den Verlauf von FCT-Spielen. Kurz nach Wiederanpfiff fällt der obligatorische Treffer für den Gegner. Aber diesmal ersparte sich die Heimelf die bangen Minuten des Zitterns. Ein Freistoß wurde wie üblich zur Chefsache erklärt. Spielertrainer und Standartkünstler Jürgen S. hatte sich das Leder bereitgelegt. Einen unplazierten Schlenzer halbhoch in die Mitte später stand es 3:1 und der Käse war gestreut! Dann begann Aushilfsreferee Huberth R. subtil in die Partie einzugreifen. Durch rhetorisch fein strukturiertes Gebrüll an der Seitenlinie mahnte er den Unparteiischen zur Konzentration. Prompt folgte der Elfmeterpfiff, völlig zurecht, auch wenn der eben genannte aufstrebende Lokalpolitiker verbal nachhelfen musste. Den fälligen Strafstoß ballerte Thomas S. - wie üblich- in den Kasten. Jetzt war der Käse endgültig gestreut, egal ob Emmentaler, Appenzeller oder Bergmatter. Letztes Highlight war ein indirekter Freistoß am Fünf-Meter-Raum. Nach dem klugen Rückpass hätte Marco W. aber eher Felix Baumgartner aus seiner Stratospähren Kapsel als ins Tor geschossen.

Nach dem Abpiff dürfte wohl auch der Grenzgänger zwischen Herzkollaps und Emotionsausbrüchen, der Häuptling der Unbesiegbaren Josef T. zufrieden nach Hause gegangen sein. Besonders wichtig für den Spitzenreiter war beim Rückrundenauftaktsieg einmal mehr Coach Jürgen S., der vor allem bei ruhenden Bällen wieder zu alter Treffsicherheit zurückfindet. Diese Leistung bewog auch Huberth R. selbst Tage nach dem Match zu einem Sonderlob. Auch wenn der Spielertrainer laut der Alternativen Liste bisher lediglich einmal ins Schwarze getroffen hat. "Ich zähle nur die, die ich nicht gehalten hätte", begründet der polarisierende Bundeswehrangestellte seine Zählweise. Wenn man die Logik umdreht hätte der FCT bisher wohl auch keinen Gegentreffer bekommen, aber eventuell bereits ein paar rote Kärtchen mehr!

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